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Sozialdienst für Flüchtlinge in Esslingen

Die Einrichtung des Sozialdienstes besteht seit 1987 und beruht auf einem Kooperationsvertrag zwischen dem Landkreis Esslingen und der Arbeiterwohlfahrt.

Betreut wurden die Asylbewerberinnen, die nach einem gesetzlich festgelegten Verteilungsschlüssel von den Landkreisen aufgenommen und in gemeindeeigenen Unterkünften untergebracht werden mussten.

Zu Beginn wurden auf dieser Grundlage zunächst die Flüchtlinge in 4 später in 13 Städten/Gemeinden des Landkreises betreut. 

Nach der Neuregelung der gesetzlichen Grundlagen im Asylbereich ging die Zahl der Asylsuchenden zurück und die Arbeiterwohlfahrt übernahm 1996 die Betreuung der Flüchtlinge in der Staatlichen Sammelunterkunft in Esslingen in einem mit mehr als 500 Personen belegten Kasernengebäude. Die Asylsuchenden waren nach ihrer Asylantragstellung in Karlsruhe über verschiedene Bezirksstellen in diese Sammelunterkunft zugewiesen worden, wo sie mit Sachleistungen (Esspakete, Grundbedarf an Kleidung sowie 40, -€ Taschengeld pro Monat) versorgt wurden. Aufgrund des Flüchtlingsunterbringungsgesetzes mussten sie für die gesamte Dauer ihres Asylverfahrens in dieser Großunterkunft bleiben.

Es handelte sich dabei sowohl um Einzelpersonen, als auch um Familien aus insgesamt 34 Ländern. Die meisten Flüchtlinge gehören ethnischen Minderheiten an. Die Fluchtgründe sind meist Bürgerkriege, in deren Verlauf sich viele der Flüchtlinge politisch betötigt hatten, um für ihre Rechte zu kämpfen, was in den meisten Fällen Repressalien des jeweiligen Staates zur Folge hatte.

Inzwischen wurde die Kaserne geschlossen und die Flüchtlinge in insgesamt 14 kleinere Unterkünfte im Landkreis mit Belegungszahlen zwischen 30 und max. 120 Personen umverteilt. Aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes gilt das Sachleistungsprinzip für Personen in staatlichen Sammelunterkünften auch weiterhin.

Der Sozialdienst beschäftigt inzwischen 10 Mitarbeiterinnen, die in den einzelnen Unterkünften Sprechstunden anbieten. Bearbeitet werden alle anfallenden Probleme, mit denen die Flüchtlinge in die Sprechstunde kommen: Hilfe und Beratung in asylrechtlichen Fragen, bei freiwilliger Rückkehr oder Weiterwanderung, bei Problemen mit Ämtern und Behörden, Schulen und Kindergärten, usw. Auch das Erklären, Ausfüllen und Übersetzen von Dokumenten gehört zum Alltag, ebenso der Kontakt zu Ärztinnen und Rechtsanwältinnen, Amtsgerichten und Staatsanwaltschaft usw.

Psychosoziale Probleme zeigen sich nicht nur bei Folteropfern. Diese jedoch werden je nach Schwere des Falles an eines der Behandlungszentren für Folteropfer weiter verwiesen. Auch Beziehungsprobleme und Gewalt in der Familie sind oft die Folgen der Erlebnisse im Heimatland und müssen von den jeweiligen Sozialarbeiterinnen oft erst mal in Form von Kriseninterventionen angegangen werden. Auch in solchen Fällen ist die Zusammenarbeit mit beteiligten Einrichtungen z.B. Landratsamt, Jugendamt, Krankenhaus usw. sehr wichtig.

Leider gibt es unter den Flüchtlingen auch solche, die ihre begrenzte finanzielle Situation durch kriminelle Handlungen (z.B. Drogenhandel, Hehlerei) aufzubessern versuchen. Auch hier ist die Zusammenarbeit des Sozialdienstes mit den Behörden, vor allem der Polizei notwendig.

Vier der Unterkünfte sind schwerpunktmäßig mit Familien belegt. In der Unterkunft mit den meisten Kindern (34 Kinder) gibt es eine Kinderbetreuung. Am Vormittag betreut eine Erzieherin die Kindergartenkinder, die keinen Platz in einem der städtischen Kindergarten bekommen haben. Eine weitere Erzieherin bietet am Nachmittag für die Schulkinder zuerst Hausaufgabenbetreuung und danach eine Spiel- und Besch 0ftigungsgruppe an.

In zwei Unterkünften hat die Arbeiterwohlfahrt eine Kleiderkammer eingerichtet, die von Mitarbeiterinnen des Freundeskreises verwaltet und organisiert wird. Es gibt feststehende Öffnungszeiten, an denen jeweils getrennt gebrauchte Männer-, Frauen- und Kinderkleidung zusätzlich zum Grundbedarf ausgegeben wird. Kleiderspenden, aber auch Haushaltswaren werden gerne entgegengenommen.

Trotz aller dieser Hilfsangebote an die Flüchtlinge besteht ein großer Teil der Arbeit des Sozialdienstes darin, Geduld zu vermitteln. Oft bleibt nichts anderes, als die Belastungen der momentanen Situation und den Druck über die Ungewisse Zukunft gemeinsam mit den Flüchtlingen auszuhalten.

Der speziellen Probleme von Kindern und Jugendlichen der Asylbewerber/innen nimmt sich die Arbeiterwohlfahrt im vom Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF) geförderten Projekt "Betreuung und Förderung von Kindern und Jugendlichen in staatlichen Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber/innen" an.

 
Arbeiterwohlfahrt
KV Esslingen e.V.

Julius-Motteler-Str. 12

73728 Esslingen