1. Standort (Ausgangslage 2002)
Der Landkreis Esslingen unterhält 18 Staatliche Gemeinschaftsunterkünfte (GU) für Flüchtlinge. Die Kapazität der einzelnen Häuser beträgt zwischen 12 und 140 Personen. Es gibt reine Familienunterkünfte, reine Männerunterkünfte sowie gemischt belegte Unterkünfte.
Aufgrund des Subsidiaritätsprinzips hat der Landkreis die soziale Betreuung dieser Unterkünfte durch einen Kooperationsvertrag an die Arbeiterwohlfahrt übertragen.
1.1 Aufenthaltsrechtliche Situation:
In den 18 staatlichen Unterkünften werden ausschließlich Flüchtlinge aufgenommen, deren Antrag auf Asyl noch nicht entschieden wurde, die sich also noch im laufenden Verfahren befinden, weshalb ihre Zukunftsperspektiven völlig ungeklärt sind.
Bei negativer Entscheidung über den Asylantrag sind die Flüchtlinge zur Ausreise (Rückkehr ins Heimatland) verpflichtet und erhalten bis zur vollziehbaren Ausreise eine Duldung. Nach Ablauf von 12 Monaten Duldung müssen die Flüchtlinge die von uns betreuten Staatlichen Unterkünfte verlassen und werden in die Anschlussunterbringung in die Gemeinden des Landkreises verlegt. Es kann daher in unserem Projekt nicht um das Thema Integration, sondern ausschließlich nur um den Punkt Soziale Betreuung der Kinder während des Verbleibes in einer Gemeinschaftsunterkunft gehen.
Bei positiver Entscheidung über den Asylantrag erhalten die Flüchtlinge ein Bleiberecht (Anerkennung nach Art. 16 GG oder § 51 AuslG) und müssen die Unterkunft sofort nach Eintritt der Rechtskraft verlassen.
Die Familien leben zwischen mehreren Monaten bis z.T. Jahren in der Unterkunft, während sie auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten. Entsprechend dem FlüAG sind die Flüchtlinge verpflichtet während dieser Zeit in einer Staatlichen GU zu wohnen, selbst wenn die Familien eigenes Einkommen beziehen. Der Aufenthalt beschränkt sich laut Gestattung und Duldung auf den zugewiesenen Landkreis. Der recht fließende Grenzübergang zur Landeshauptstadt Stuttgart führt bereits zu Verletzungen dieser Bestimmung. Generell sind für jedes Verlassen des Landkreises, Erlaubnisse der Ausländerbehörde einzuholen, die je nach Lage des Einzelfalles gegeben oder verweigert wird.
1.2 Einkommenssituation:
Fast alle Bewohner/innen erhalten Leistungen nach dem AsylbLG (Sachleistungen). Nur wenige Familien haben ein eigenes Arbeitseinkommen, da erst nach einem Mindestaufenthalt in Deutschland von 12 Monaten beim Ausländeramt eine spezielle Arbeitserlaubnis beantragt werden kann. Als recht hohe Hürde erweist sich dabei oft die Überprüfung der Arbeitsmarktlage durch das Arbeitsamt und die Beschränkung durch den Landkreis.
1.3 Wohnsituation:
Das Leben in den Wohnheimen ist vor allem geprägt von der engen räumlichen Situation. Die Familien leben je nach Anzahl der Familienmitglieder in 1-2 Zimmern, die als Wohn- und Schlafraum dienen müssen. Küche wie auch Bad und Toilette müssen gemeinschaftlich mit 2-3 anderen Familien benützt werden. Durch Transfers und Neuzuweisungen gibt es immer wieder Bewegung in der Belegung.
1.4 Herkunftsländer und besondere Kennzeichen:
Die Flüchtlinge, hier herausgestellt die Familien, stammen überwiegend aus: Türkei, Irak, Kosovo, Afghanistan, Iran.
- Das familiäre Umfeld ist durch Krieg und / oder Flucht meist zerstört (Entwurzelung)
- Verlust von Familienangehörigen, Freunden und sonstigen Bezugspersonen
- unverarbeitete traumatische Erlebnisse im Heimatland
- Konfrontation / Auseinandersetzung mit neuen kulturellen Normen, Werten und Vorstellungen
- Anpassungsschwierigkeiten durch Festhalten an stereotypen, geschlechtsspezifischen Rollen
- Kaum deutsche Sprachkenntnisse
- Vorurteile von Erwachsenen und Kindern gegenüber Angehörigen anderen Nationalitäten/Ethnien
- körperliche wie seelische Erkrankungen
- Erziehungsdefizite und Entwicklungsrückstände der Kinder
2. Situationsanalyse/Konflikte
Seit Januar 2000 gibt es aufgrund unserer Initiative eine Absprache mit der Verwaltung der Gemeinschaftsunterkünfte, Familien mit Kindern wenn irgend möglich in zwei großen Unterkünften in Esslingen und Plochingen sowie in zwei weiteren kleineren Unterkünften unterzubringen. Dadurch werden zum einen verschiedene Probleme, die bei gemischter Belegung auftreten vermieden, zum anderen wird eine Schwerpunktsetzung der Arbeit in den GU´s auf Familien, insbesondere auf die Kinder, möglich. Das Projekt konzentriert sich deshalb auf die beiden GU´s Esslingen und Plochingen. Selbstverständlich ist es bei Bedarf auch möglich, dass Kinder aus anderen Unterkünften die Angebote in den Familienunterkünften ebenfalls nutzen. Gegebenenfalls wäre hier dann ein Fahrdienst einzurichten.
In den zwei größten Familienhäusern in Esslingen und Plochingen leben insgesamt 48 Familien mit 91 Kindern. Die Kinder leiden unter der neuen Lebenssituation in besonderem Maße, können dies jedoch oft nur ungenügend zum Ausdruck bringen bzw. verarbeiten. Die Eltern sind meist sowohl mit den zurückliegenden (z.T. traumatischen) als auch den neuen Erfahrungen beschäftigt. Durch die beengten räumlichen Verhältnisse, die Entwertung der Familienväter durch die erzwungene Arbeitslosigkeit, dem Verlust des sozialen Status im Heimatland, unverarbeitete (Gewalt-)Erlebnisse, Angst vor Abschiebung und einer ungewissen Zukunft entstehen Spannungen, die oftmals psychische und physische Einbrüche und/oder Gewalt in der Familie zur Folge haben. Die Lebenssituation der Eltern wirkt sich auch auf die Kinder aus. In mehreren Familien herrscht eine gewaltbereite Atmosphäre, oft sind die Kinder die Symptomträger, die die Konflikte innerhalb der Familie z.B. im Streit mit anderen Kindern weitertragen. Einengendes Rollenverhalten sowie repressive Erziehungsstile wirken sich zusätzlich einengend und erschwerend auf die Kinder aus.
Je nach Herkunftsfamilie, Kultur, Tradition und persönlichen Vorstellungen und Fähigkeiten der Kinder kommt es mitunter zu massiven Schwierigkeiten mit dem Schulsystem. Die Kinder werden von den Eltern oder älteren Geschwistern wenig oder gar nicht gefördert und es braucht viel externe Hilfe, um die Kinder in die Schulen zu integrieren.
Kinder haben Konflikte sowohl Drinnen als auch Draußen. So finden Sie in der GU keinen Platz zum Spielen und können aus Platzmangel kein Spielzeug benutzen. Mit der Nachbarschaft draußen gibt es aufgrund von Lärm- und Müllbelästigungen durch die GU´s gehäuft Auseinandersetzungen.
Spiel- und Entfaltungsmöglichkeiten gibt es für die Kinder nur in sehr begrenztem Umfang: Das Haus in Esslingen liegt etwas abseits des Zentrums in einem Mischgebiet aus Wohnungen und Gewerbebetrieben. Grünanlagen bzw. Spielplätze sind abgesehen vom öffentlichen Freibad nicht in direkter Nähe. Die Kinder spielen im Treppenaufgang und auf dem Hinterhof, wo es einige Bänke und zwei Spielgeräte hat. Das Haus in Plochingen hat im Vergleich noch kleinere Zimmer und engere Flure. Es liegt an einer Hauptstrasse und gegenüber dem Bahnhof, es gibt keinen Hof und keine Spielplätze in der Umgebung. Die Kinder stehen beim Verlassen des Hauses sofort an der stark befahrenen Durchgangsstrasse.
2.1 Kindergarten- und Schulbesuch:
Wir versuchen zunächst, die Kindergartenkinder in den Regelkindergärten der näheren Umgebung unterzubringen. Gelingt dies aufgrund fehlender Plätze nicht, werden die Kinder in den AWO eigenen Kindergruppen betreut.
Die Schulkinder besuchen meist zunächst die Grund- und Hauptschulförderklassen um danach je nach Entwicklungsstand und sprachlichen Fähigkeiten in die Regelklassen eingeschult zu werden. Die Jugendlichen versuchen wir im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und beim Internationalen Bund (IB) unterzubringen.
2.2 Sozialberatung
- Regelmäßige Elterngespräche mit Erzieher/in und Sozialarbeiter/innen.
- Vermittlung von Schul- und Kindergartenplätzen.
- Information über rechtliche Situation.
- Hilfen bei Antragsstellungen jeglicher Art.
- Unterstützung bei Schulproblemen.
- Begleitung in Anschlussunterbringung (bei Wechsel von Schule und Kindergarten).
Die Sozialarbeiter/innen werden manchmal auf eine extrem belastende Situation in einer Familie nur durch die Kinder aufmerksam gemacht. Die Kinder sind dann ein Spiegel des Familienlebens und tragen Auffälligkeiten als erstes nach draußen.
3. Bedarfsanalyse/Zielsetzungen
Um diese Situation in den beiden Familienhäusern auch für die Kinder zu entschärfen, bieten wir in den zwei größten Familienhäusern eine Kinderbetreuung durch eine ausgebildete Erzieherin an. Über die momentanen Möglichkeiten hinaus wird das Angebot intensiviert und auf folgende pädagogische Ziele erweitert:
- Kinder können in einem geschützten, kindgerechten Rahmen allmählich wieder Sicherheit und Geborgenheit finden
- Sich mit den neuen Strukturen und kulturellen Veränderungen auseinandersetzen können.
- Freiräume innerhalb der Unterkunft schaffen. Die Kinder haben die Möglichkeit, von den Problemen der Eltern Abstand zu gewinnen und sich auf sich selbst zu besinnen.
- Die Kinder der verschiedenen Nationen lernen sich untereinander kennen und verstehen einander. Durch das gemeinsame Spielen und Lernen werden vorhandene Vorurteile abgebaut oder doch zumindest relativiert.
- Stress und Aggressionen werden durch sportliche Aktivitäten und/oder kreatives Arbeiten vermindert.
- Soziale, feinmotorische und kognitive Fähigkeiten fördern.
- Verhaltensauffälligkeiten und Erziehungsprobleme, aber auch Versorgungsmängel (Gesundheit, Ernährung) werden erkannt und in Gesprächen und Zusammenarbeit mit den Eltern bearbeitet.
- Entwicklungsrückstände durch individuelle Förderung bis zur Einschulung ausgleichen.
- Vorbereitung der Einschulung durch Vernetzung mit den Schulen und Kindergärten.
- Schulische Förderung durch Hausaufgabenbetreuung vor Ort.
- Vermittlung zwischen Eltern, AWO Kindergruppen und Schule.
- Wir schaffen eine Auszeit für die Eltern.
Die Ziele des Projekts konzentrieren sich also auf drei Bereiche:
- Wir wollen möglichst alle Eltern und Kinder in den von uns betreuten Unterkünften mit unserem Beratungs- und Vermittlungsangebot erreichen.
- Wir wollen in den beiden größten Familienunterkünften Esslingen und Plochingen verschiedene Kindergruppen etablieren und ausweiten.
- Durch 1. und 2. erhoffen wir uns die zuvor aufgeführten positiven Effekte und Entwicklungen.
Das Projekt wird am 01.01.04 beginnen und am 31.12.04 enden.
4. Innovativer Charakter
Durch Intensivierung der bisherigen Sozialarbeit werden eine Ausweitung der Angebote sowie eine Erhöhung der Präsenz in der staatlichen Unterkunft möglich, die mehr sozialen Frieden innerhalb des Hauses bewirkt.
Der Soziale Frieden, die Akzeptanz innerhalb des Stadtteils und allgemein in der deutschen Gesellschaft entsteht, wenn Kinder und Jugendliche sich nicht auf der Straße herumtreiben und ins kriminelle Milieu abrutschen, sondern durch die Bewältigung des Schulalltages eine Chance bekommen, die Zeit während ihres Aufenthaltes Deutschland sinnvoll zu nutzen. Damit ist eine Integration bei eventuellem späterem Bleiberecht viel leichter möglich, so dass die Kinder zumindest in der 2. Generation unabhängig von Sozialhilfe leben können. Durch Förderung der Kinder unsererseits und Kooperation mit den Lehrer/innen der jeweiligen Schulen, wird das Lernklima der jeweiligen Klassen verbessert. Der Lehrplan kann ungestört eingehalten werden und der Wissensstand der Klasse wird angehoben.
Die Vermittlung in Regelkindergärten findet in enger Absprache mit unserer Erzieherin statt. Bei großen Defiziten der Kinder, können die betroffenen Kinder zunächst in unserer Kindergartengruppe aufgefangen und gefördert werden. So ist eine deutlich bessere und leichtere Eingliederung in den Regelkindergarten zu erwarten. Da es häufig vorkommt, dass wegen fehlender Plätze Im Regelkindergarten die Kinder dort nicht unterkommen können, sind viele Kinder über einen längeren Zeitraum bei uns.
Wir sind Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Lehrer/innen bei unterschiedlichsten Problemen und Konflikten wie: Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten, Sprachproblemen und Erziehungsfragen. Für uns ist diese Funktion sinnvoll und bedeutend, da wir einerseits die kulturellen Hintergründe der Herkunftsfamilie, die einzelnen Fluchtschicksale und andererseits die Kinder selbst mitunter vom Kindergarten bis in die Schule in unseren eigenen Gruppen kennen gelernt haben. Unser Ziel ist es, ein Netzt aller beteiligten Menschen und Organisationen zu knüpfen.
5. Kosteneffektivität
Die hauptamtliche Erzieherin und ein pädagogischer Mitarbeiter werden in den Kindergruppen von ehrenamtlichen Kräften, durch zwei Praktikantinnen und durch 1 bis 2 Elternteile kostengünstig unterstützt. Außerdem können Synergieeffekte dadurch erzielt werden, dass vorhandene Infrastruktur (Sachmittel) unserer bereits bestehenden Asylbewerberbetreuung mitbenutzt werden können.
In allen 18 Unterkünften des Landkreises Esslingen sind zurzeit (Oktober 2003) 891 Flüchtlinge untergebracht, davon sind 179 Kinder (bis 16 Jahre). Von diesen Kindern gehen 79 in die Schulen und 22 in Kindergärten. Da unser Sozialarbeiterteam in allen Unterkünften regelmäßige Sprechstunden vor Ort anbietet, ist während dieser Zeit auch ein Anknüpfungspunkt an unser Vermittlungs,- Vernetzungs- und Beratungsangebot im Rahmen des Projektes gegeben. Tatsächlich laufen bereits jetzt sämtliche Schul- und Kindergartenanmeldungen zentral über unser Hauptbüro in Esslingen.
Unsere Kindergruppen sind in den Unterkünften Esslingen und Plochingen etabliert bzw. werden ausgebaut. In Esslingen sind es zurzeit insgesamt 38 Kinder (Kindergarten- und Schulalter 25) und in Plochingen 50 (Kindergarten- und Schulalter 38). Wir können durch unsere hohe Präsenz vor Ort davon ausgehen, alle Kindergarten- und Schulkinder und deren Eltern zumindest mit unserem Beratungs- und Vernetzungsangebot zu erreichen. Auch für die Spiel- und Hausarbeitengruppen der Schulkinder können wir von einer praktisch hundertprozentigen Erreichbarkeit ausgehen. Unsere Kindergartengruppe soll jedoch eine Auffanggruppe für all diejenigen sein, die 1. nach dem Stand ihrer Entwicklung noch nicht in einen Regelkindergarten vermittelt werden können oder 2. rein wegen fehlender Kindergartenplätze nicht in Regelkindergärten untergebracht werden können. Insofern wird es hier im Laufe des Projektzeitraumes allein schon aus diesem Grunde Schwankungen in der Teilnehmerzahl geben.
6. Methoden der Zielerreichung
Um diese Ziele in unserer Arbeit im Kinder- und Jugendbereich optimal erreichen zu können, sind folgende umfangreiche Tätigkeiten zwingend erforderlich:
6.1 Kindergruppen:
In Esslingen werden in der Kindergartengruppe Kinder im Alter zwischen 2,5 und 6 Jahren unmittelbar nach der Aufnahme aufgefangen und während des weiteren Aufenthaltes in der GU auf den Kindergarten- oder Schulbesuch vorbereitet. Die Öffnungszeiten sind an vier Wochentagen von 9-12 Uhr. Wir bieten sowohl mittelbar wie unmittelbar traumatisierten Kindern einen kindgerechten Schutzraum, um Vertrauen und Sicherheit wieder aufbauen zu können.
Die Schulkinder erhalten in Esslingen individuelle Hilfe bei der Eingliederung in die Schulen, Unterstützung bei Hausaufgaben und persönliche Beratungsgespräche. Zweimal wöchentlich findet eine Hausaufgabenbetreuung statt und ebenfalls zweimal wöchentlich eine Spielgruppe. In den Schulferien bieten wir besondere Aktivitäten wie z.B. ein Waldferienprogramm an, um vermehrt Freiräume außerhalb der GU für die Kinder zu schaffen.
In Plochingen können wir leider keine Kindergartengruppe anbieten. Hier findet dreimal in der Woche eine Spielgruppe statt, in der wir versuchen durch Bewegung und kreative Tätigkeiten den Kindern die Möglichkeit zu bieten, Stress und Aggressionen abzubauen und für sich selbst neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Einmal in der Woche haben die Kinder die Möglichkeit methodische Hilfestellung für die schulische Hausarbeit zu bekommen.
6.2 Vernetzung:
Intensive Gespräche mit den entsprechenden Lehrer/innen/Erzieher/innen sind notwendig, um sofort Maßnahmen ergreifen zu können, wenn etwas, aus welchen Gründen auch immer, ins Ungleichgewicht fällt. Der ständige Kontakt mit den Lehrer/innen/Erzieher/innen, und die frühzeitige Information zum Beispiel bei Änderungen des sozialen Umfeldes sind erforderlich, um etwaige Verhaltensänderungen einschätzen und so ggfs. bereits im Vorfeld eingreifen zu können.
Dies führt unter anderem dann auch dazu, dass man frühzeitig entsprechende Stellen (Frühförderung, Sehschule, Logopädie etc.) einschalten kann, um auftauchende Defizite bereits frühzeitig durch entsprechende Behandlung (und deren Fortsetzung und Einübung in der Gruppe) verringern bzw. ganz beheben zu können. Hierzu erforderlich ist geeignetes Material zur emotionalen, kognitiven und motorischen Förderung.
In Kooperation mit den Schulen/Kindergärten/Sprachhilfe und unseren Fachkräften wird eine Vielzahl von Hilfsmassnahmen entwickelt, die sowohl in der Sprachförderung der Kinder als auch bei der Integration greifen werden. Dies sind unter anderem: Bilderbücher und Kassetten die in die jeweilige Heimatsprache übersetzt werden, das Erlernen von Grundbegriffen der Heimatsprache der Kinder von Seiten der Lehrer, Erzieherinnen etc., erarbeiten von Grundsätzen im Rahmen der Elternarbeit und manches mehr.
Auch der Kontakt zu den Schulen der größeren Kinder bzw. der Jugendlichen ist sehr intensiv und auch in dieser Form notwendig, um den Jugendlichen den Sprung von der Schule ins Arbeitsleben bzw. Ausbildung zu erleichtern. Dies bedeutet Beratung und Begleitung bei der Arbeitsplatzsuche bzw. Ausbildungsplatzsuche, Hilfen bei Bewerbungen, Gespräche mit Arbeitgeber/Ausbildung, Arbeitsamt und den entsprechenden Schulen, Vermittlung sowie Organisation/Durchführung von Sprachkursen bzw. Alphabetisierungskursen.
6.3 Gemeinwesenarbeit:
- Information der Anwohner, Einladung zu Kinderfesten
- Vermittlung bei Konflikten zwischen Hausbewohnern und Anwohnern
- Einbringen der kulturellen Besonderheiten an Schulfesten
6.4 Mitarbeiter/innen:
Viele der Flüchtlingskinder sind durch die Entwurzelung und durch beobachtete oder selbst erlittene Gewalterlebnisse im Heimatland verhaltensauffällig und ihr Entwicklungsstand entspricht nur in wenigen Fällen dem deutscher Kinder. Um das Verhalten verstehen, aushalten und verändern zu können, ist ein Hintergrundwissen über die Vorgeschichte des Kindes und seiner Familie hilfreich.
Neben dem psychologischen Verständnis sind Einfühlungsvermögen, Frustrationstoleranz, Belastbarkeit und Geduld nicht nur gegenüber den Kindern sondern oftmals auch gegenüber den Eltern unentbehrliche Qualitäten.
Erschwerend für die Arbeit erweisen sich immer wieder die kulturellen Unterschiede, die geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungen und die für unser deutsches pädagogisches Verständnis oft fragwürdigen Erziehungsmethoden. Manchen Eltern fehlt das Verständnis für kindliche Bedürfnisse sowie das Wissen über entwicklungsbedingte Zusammenhänge. Eltern- bzw. Müttergespräche sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Arbeit im Kinderbereich.
Weitere Anforderungen und Voraussetzungen sind:
- Fremdsprachenkenntnisse.
- Möglichkeiten und Kenntnisse über nonverbale Kommunikation.
- Offenheit (eventuell Weiterbildung) für Sonderpädagogik, Verhaltensauffälligkeiten und für integrative Arbeit mit Behinderten (tatsächlich befindet sich in einer der Zielgruppe zurzeit ein geistig- und körperlich mehrfachbehindertes Mädchen).
- Kollegiale Beratung und Reflexion.
- Regelmäßige Supervision und Anbindung an das Sozialarbeiterteam.
- Der Betreuungsschlüssel sollte deutlich unter den Kindergartenrichtlinien liegen, da das Klientel betreuungsintensiver ist. Angestrebt wird ein Schlüssel von 1:10.
6.5 Räumlichkeiten:
Es steht in beiden Unterkünften ein eigens für die Kinderbetreuung eingerichteter Raum zur Verfügung. In Esslingen können die Bewegungsmöglichkeiten im Hof ausgebaut und genutzt werden. Der Spielraum soll einerseits Rückzugsmöglichkeiten, eine gemütliche und vertrauensvolle Atmosphäre bieten und andererseits multifunktional auch spontanen Bedürfnissen nach Bewegung nachkommen können. Darüber hinaus sollen Exkursionen in die Umgebung/Natur in das Betreuungsprogramm eingebaut werden und regelmäßiger Bestandteil sein.
6.6 Freizeit:
Als Highlight in den Sommerferien bieten wir eine mehrtägige Kinderfreizeit im Behinderten- und Freizeitheim Bahnhof Marbach des DRK, Kreisverband Nürtingen-Kirchheim/T. e.V. an. Wir wollen den Kindern aus den beengten Wohnverhältnissen der GU heraus ein fröhliches, unvergessliches Erlebnis bieten. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf Kinder aus den GU´s Esslingen und Plochingen, sondern beziehen, bis zur maximalen Teilnahmezahl von 30 Kindern, alle GU´s des Landkreises Esslingen mit ein. Bei der Auswahl der Kinder werden Kinder mit besonderen Verhaltensauffälligkeiten und Kinder aus besonders belasteten Familien (Flucht- und Foltererfahrungen) bevorzugt. Hier erscheint es uns besonders vordringlich diesen Kindern ein schönes und bleibendes Erlebnis bieten zu können. Die Freizeit gibt die Möglichkeit auf die Bedürfnisse der Kinder intensiv einzugehen und über die Freizeit hinausgehend eine Stabilisierung des seelischen Gleichgewichtes zu erreichen. Gleichzeitig werden Mütter und Väter (insbesondere von kinderreichen Familien) spürbar entlastet.
7. Darstellung der Ergebnisse
- Zwischen- und Abschlußbericht.
- Befragung der Schulen und Kindergärten.
- Feste monatliche Elterngespräche und deren schriftliche Auswertung.
- Veröffentlichung auf der Homepage des Kreisverbandes
- Veröffentlichung auf der Homepage des Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF)
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